Schnatternde Gänse und „missgebildete“ Bäume im Land des Salzheiligen

Montag, 1. Oktober – 17. Pilgertag

Die Sonne scheint nicht, aber regnen tut es auch nicht. So breche ich nach dem Frühstück im wolkenverhangenen Waging vom Unterwirt auf. Dem Wirt sei Dank! Als er gestern erfuhr, dass ich mich auf Pilgerreise befinde, gibt er mir sein tadelloses Zimmer für € 20 – mit Frühstück! Vergeltsgott!

Waginger See von Mühlberg gesehen

In der sanften, hügeligen Landschaft gehe ich von Gehöft zu Gehöft, oft durch Wiesen und Wälder. Die Gänse schnattern ganz aufgeregt, als sie mich sehen und laufen auf mich zu. Ich habe den Eindruck sie wollen den Hof bewachen, so wie Hunde es tun sollten. Zu nahe lasse ich sie nicht kommen, habe ich doch ein wenig Respekt vor ihren Schnäbeln. Lange werden sie wohl nicht mehr schnattern. In einem Monat ist Martini, dann werden sie verstummt sein. So ist der Lauf der Dinge im bäuerlichen Jahreskreis.

schnatternde Gänse bewachen den Bauernhof

Mein Gehen oberhalb des Waginger Sees ist feinste Seelennahrung. Ich kann alles so intensiv wahrnehmen. Wie der Wald nach Schwammerl riecht, die Tierstimmen, das Landschaftsbild sowie einzelne Besonderheiten. So sticht mir ein Baum ins Auge, der zuerst waagrecht und dann erst senkrecht gewachsen ist. Eine Fehlbildung, eine Missbildung, ein behinderter Baum? Nein, der Baum hat so eine Strahlkraft, trägt die besten Äpfel und ist eine besondere Schönheit. Werde ich zukünftig Menschen mit Fehlbildungen oder glaublichen Mängeln auch so sehen? Ich bin mir sicher!

Missgebildeter Baum – eine Schönheit für sich

Seit Waging bin ich im Rupertigau. Ursalzburger Gebiet. Der Salzheilige begegnet mir auf Schritt und Tritt. Er wird ja auch „Apostel der Baiern“ genannt. Und noch was ist neu: Der gerade geschaffene St. Rupert-Pilgerweg führt von Altötting nach Waging und hier weiter nach Laufen und später nach Seekirchen. Morgen werde ich auf der Salzachbrücke Toni Wintersteller, den Pilgerwegebeauftragten Salzburgs treffen. Er will mich ein Stück begleiten und ich bin schon neugierig, was er von dem neuen Weg erzählt.

Der Hl Rupert wird auch gerne als der Salzheilige bezeichnet

Kurz vor Laufen stoße ich auf mehre Protestschilder. Ich habe keine Ahnung vom Neubau der B 20, weiß aber schon, dass die Straße hoch frequentiert ist. Es scheint, dass es Pläne gibt, den Verkehrsweg aus der Stadt Laufen zu verlegen. Natürlich denke ich sofort an die Starkstromleitung durch Salzburg und den Bau der Hochleistungsstrecke durch Seekirchner Wohngebiet. Wie sich doch oft die Probleme diesseits und jenseits der Salzach gleichen…

Proteste der Menschen müssen ernst genommen werden

Ein Gedanke zu “Schnatternde Gänse und „missgebildete“ Bäume im Land des Salzheiligen

  1. Lieber Helmut
    Es ist kurz vor 22 Uhr wo ich diese Zeilen an dich schreibe und ich nehme an du liest sie Heute am 2.10. und du träumst bereits deinen „letzten schönen Traum“ im fremden Bett.
    Möchte dir sagen wie sehr ich das Bewundere was du die letzten 17(18) Tage vollbracht hast. Es gehört mehr dazu als ein wenig Kondition und der Wille es einfach tun wollen. Dafür hast du als Belohnung eine Erfahrung bekommen die dir niemand nehmen mehr kann.

    Ach ja das wichtigste darf ich ja nicht vergessen:
    Sage Servus zum 4er und glaube mir, der 5er vorne ändert absolut nichts, darum:

    ICH WÜNSCHE DIR AUF DIESEM WEGE ALLES GUTE ZU DEINEM RUNDEN
    GEBURTSTAG, VOR ALLEN GLÜCK, GESUNDHEIT UND GOTTES SEGEN.

    Gerhard „Lanschy“ Lanschützer
    von Heizkraftwerk Salzburg