Truchtlachinger Sonntagsmesse, bayrisches Kernland und wen der Sensenmann winkt

Sonntag, 30. September – 16. Pilgertag

Nach der verregneten Nacht schaffen es am Morgen die ersten Sonnenstrahlen durch die dichten Wolken. Die Ortschaft „Seeon“ am Klostersee ist ein wunderbares Kleinod mit einem großen, schönen Kloster am See. Trotzdem muss ich mich aufmachen. Um 10 Uhr beginnt die Sonntagsmesse in Truchtlaching, das an der Alz liegt. Eiligen Schrittes geht des durch die bayrische Kernlandschaft. Schon von weitem höre ich das Geläute der Kirche – zsammleitn tan`s – wie die Leute hier sagen.

Klostersee mit dem schönen Kloster

Die Kirche ist bis auf die Reihe eins ziemlich voll. Der Pfarrer und zwei Diakone halten die Liturgie ab. Im Evangelium geht’s um eine Stelle im Jakobusbrief. Jesus sagt, wer nicht gegen mich ist, ist für mich! Woraus der Prediger ableitet, dass man darauf vertrauen darf, dass die Menschen einem gut gesonnen sind, es sei denn, es hat dir jemand das Gegenteil ausdrücklich gezeigt oder gesagt.

Die Sonntagsmesse in Truchtlaching an der Alz

Mit den Gedanken an die Predigt und das daraus gestärkte Grundvertrauen in die Menschen mache ich mich durch landwirtschaftliches Kulturland nach Traunreut auf. Kühe, Pferde und Hühner treffe ich links und rechts des Weges an. Zu Mittag treffe ich in Traunreut ein und schreibe gleich mal die ersten Zeilen für den heutigen Tag.

vermutlich glückliche bayrische Hühner

Nachmittags gehe ich wieder durch wertvolles Bauernland. Auf Schritt und Tritt trifft man hier auf fromme Menschen. Wegkreuze und Kapellen gibt es fast an jeder Weggabelung. Oft sind die kleinen Kapellen aus Dankbarkeit für die Rückkehr aus menschenverachtenden Kriegen nach einem Gelübde errichtet worden. Immer werden die Kriege von 1866-1870 (deutschfranzösischer-) und 1914-1918 (Erster Welt-Krieg) erwähnt. Eine Dankbarkeitskapelle die nach dem 2. Weltkrieg errichtet wurde, konnte ich nicht finden. Zu schrecklich war wohl der Krieg und das Ende, sodass auch die Überlebenden und Heimgekehrten keine Dankbarkeitsgedenkstellen errichteten.

Einer der vielen Gedenktafeln in den Dankeskapellen

Wie ich so gehe denke ich, dass der Beruf des „Herrgottsschnitzers“ in Bayern und wohl auch in Österreich gute Berufsaussichten hat. Bei der Menge an Gekreuzigten. Nur so schnitzen müsste man halt können! Plötzlich werde ich aus den Bildern des barocken Herrgottsanblicks in die Neuzeit geschleudert. Ein ganz moderner Bildstock aus Beton und Nirostametall bäumt sich vor mir auf. Eindringlich das Bild und die Worte: Ein Sensenmann, der Tod, und dazu die Worte: „Nütze die Zeit – bis zur Ewigkeit“. Wie wahr und ich bin mir sicher die letzten 17 Tage meiner Pilgerung im besten Sinne dieser Aufforderung genützt zu haben.

Moderner, aber eindringlicher Bildstock

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