Ohne Füße und ohne Hände zwischen Grafing und Wasserburg

Freitag, 28. September – 14. Pilgertag

Der Herrgott meint es heute wieder ganz besonders gut mit mir. Ein sonniger Herbsttag wie er im Bilderbuch steht. Ideal zum Wandern und Pilgern. Es steht die Strecke von Grafing nach Wasserburg auf dem Plan. Ungefähr 28 oder 29 Gehkilometer. Erst gegen 9 Uhr breche ich auf. Das Frühstück im Hotel „Hasi“ mit Bergen von kleingeschnittenem Obst hatte Haubenqualität. Grafing ist überhaupt ein lieblicher, kleiner Ort mit Geschäften und vielen Wirtschaften (Wirtshäuser auf salzburgerisch!).

Ich gehe südostwärts und freue mich immer wieder wie viele Feld- Wiesen- und Waldwege bei den Wanderungen zu entdecken sind. Beim Gehen werden alle Sinne viel sensibler. Die Nase, die Ohren und auch die Augen. So entdecke ich im linken Augenwinkel ein Herrgottskreuz. Der Gekreuzigte hat abgesägte Arme und abgesägte Füße! Ein Vandalenakt? Erst die Inschriften links und rechts schaffen Klarheit. Der an allen Gliedmaßen amputierte Jesus soll und klar machen, dass wir für ihn arbeiten, gehen und sprechen müssen, um die Menschen auf seinen Weg zu führen. Ein schöner Auftrag, den dieses Wegkreuz erteilt…

Herrgott ohne Füße und Hände

Wie ich noch so im Gedanken weitergehe, komme ich mitten in der Einschicht zwischen Haging und Frauenneuharting auf eine Lichtampel. Ich traue meinen Augen nicht. Während meiner ganzen Anwesenheit fährt auch kein einziges Fahrzeug vorbei. Eine mit Strom betriebene Ampelanlage in der Pampa? Was immer dazu geführt hat, mir kommt es kurios vor! Aber von kuriosen Verkehrszeichen und Verkehrsregelungen könnte ich ja aus Salzburg auch so manches berichten!

Einsame Lichtverkehrsanlage im Grünen

Am Weg nach Pfaffing treffe ich eine Radfahrerin. Sie gesellt sich einige Zeit zu mir und wir unterhalten uns ganz gut. Die Mitfünfzigerin erzählt, dass sie völlig vegan und in Wohngemeinschaft mir ihrer Schwester lebt. Dann erwähnt sie die Steigerungsstufe von vegan. Die Ernährung von Licht, von der Sonne! Im Grundkurs dafür gibt’s 21 Tage überhaupt nichts zu essen und sieben Tage davon darf man auch nichts trinken. Zu dem Zeitpunkt steige ich gedanklich aus der Unterhaltung und gehe mit meiner Sonnenenergie auf Wasserburg zu. Und das Weißbier, welches ich mir dann gönne, das ist mindestens so gut wie ´“Lichtnahrung“, wie ich glaube! Bettmäßig komme ich im Gasthaus Paulaner unter. Direkt gegenüber dem Rathaus. Ein schöner alter Bau um den ich die Wasserburger beneide. Aber vielleicht wird ja unser Seekirchner Gemeindeamt in ein paar Jahrhunderten auch mal als schön, romantisch, heimelig und zum Stift und zur Kirche passend empfunden.

Schönes Rathaus von Wasserburg

 

 

Ein Gedanke zu “Ohne Füße und ohne Hände zwischen Grafing und Wasserburg

  1. Recht hast g’habt das du dich nicht zu viel beschwatzen hast lassen. Bei aller Liebe zu einer gesunden Ernährung, a gscheite „Brotzzeit“ und a guads Weizen sind doch unschlagbar und ehrlich gsagt auch Balsam, des brauch ma ob und zua genau so wia a gsund’s Essn.