Raus aus München ins liebliche Grafing

Donnerstag, 27. September – 13. Pilgertag

Nachdem ich nächtens wieder aus dem Oktoberfest besessenen München auswaggoniert werden musste,  setze ich Vormittag meine Wanderung ab dem Stadtteil Haar wieder weiter und komme auf Vatterstetten. Von dort geht’s über Zorneding nach Eglharting, wo ich Mittagspause mache.

Ich komme mit meinem Tischnachbarn ins Gespräch. Bernd, wie er heißt, erzählt mir von seinem früheren Berufsleben. Er war „Geldmacher“ – auf bayrisch a „Geudscheißa“ – wie er lachend sagt. In seiner Firma wurde nicht der Euro gedruckt, sondern auch Banknoten für Staaten aller Kontinente. Aber auch Aktien und Staatsanleihen sind druckfrisch durch seine Hände gegangen. 1962 ist er der Arbeit wegen von Berlin nach Bayern übersiedelt und hier geblieben. Seine Aufgabe war es die Druckplatten für den Kupfer- und Stahltiefdruck zu gravieren. Die Firma hat auch das hochwertige Papier selbst hergestellt. Sie musste nach dem Krieg ihren Standort von Dresden nach München verlegen. Sein ehemaliger Chef, so erzählt er stolz, habe dann sogar die Bambi Burda von dem großen Verlag geheiratet. Und was sagt ein „Geudscheißa“ zur Bankenkrise: „Denen gehört das Gas abgedreht! Warum sollen wir zahlen, wenn die Banken Verluste machen und die das Geld selber einstecken, wenn sie Gewinne machen?“ Und ein neuer Vorschlag: „Wir Kleinen haben geblutet und die Banken gerettet. Als Dank könnten nun die Banken im Gegenzug den kleinen Schuldnern die Kredite erlassen!“

Ich ziehe weiter über Kirchseeon den einsamen Feldweg nach Grafing. Einer lieben, kleinen Stadt im Herzen Bayerns. Dort schlafe ich auch im Gasthaus „Hasi“.

 

Einsame Pilgerwege

Ein Plakat sticht mir so ins Auge, dass ich es fotografiere. „Rinder sind weder dumm, noch lila. Es ist ihnen nicht egal wie sie leben und wie sie sterben. Unterstützen sie mit ihrem Kauf nicht die Produktion von Billigfleisch. Ich liebe das Leben und du?“ Die rennen bei mir offene Türen ein, denke ich laut. Wenn im Billigmarkt „Bauerngeselchtes“ oder „Almrind“ angeboten wird, so stammt das Produkt meist nicht aus den Ställen der kleinen Bauern aus Salzburg oder den Betrieben hier. Nein es sind riesengroße Mastbetriebe mit 6000 Schweinen oder tausenden Kühen. Solche Schweinemastanstalten habe ich auf dem Pilgerweg hier in Bayern gesehen. Die Rinderkolchosen sind eher im ehemaligen Ostblock zu finden. Wir, die Konsumenten haben es selbst in der Hand, was produziert wird. Wer Billigfleisch kauft fördert die Massentierhaltung und ist schlussendlich auch dafür mitverantwortlich. Kein Bauer bei uns könnte mit seiner liebevollen und aufwändigen Tierhaltung zu diesen Preisen überleben. Tun wir also uns was Gutes, den Bauern und den Tieren!

Das Plakat kann ich nur auf allen Linien unterstützen

2 Gedanken zu “Raus aus München ins liebliche Grafing

  1. Hast du dir in Kirchseeon auch den Perchtenbrunnen, wo das Wasser aus den Masken von der Perchtengruppe „Perschten von Soi“ herausrinnt, angesehen?
    Der Baum daneben wurde von den „Salzburger Rupertiperchten“ zu einem Jubiläum gepflanzt.

    • Ja wunderbar, auf wie viele Salzburger Spuren man hier in Bayern stößt. Aber der Teil hat ja bis 1800 sowie zu Salzburg gehört. Liebe Grüße