Beim Generalvikar in Augsburg

Montag, 24. September – 10. Pilgertag

Obwohl ich im Klosterbett der Abtei bestens schlafe, bin ich schon früh wach. Vielleicht die Aufregung, werde ich doch um 8:30 Uhr im Bischöflichen Ordinariat empfangen. Ein Ort wohin man als Normalsterblicher nicht so oft kommt. In Salzburg war ich 2003 einmal in diesen geweihten Räumen. Erzbischof Dr. Kothgasser war neu ins Amt eingeführt worden und wir unterhielten uns über den Priestermangel am Lande und seine Absicht schwarze und osteuropäische Priester auf Zeit nach Salzburg zu holen.

Die schaurige Atmosphäre des Augsburger Gefängnisses

Noch in der Finsternis spaziere ich durch Augsburg. Gleich in der Nachbarschaft entdecke ich das große Augsburger Gefängnis. Die Insassen wurden offenbar gerade geweckt. Stimmengewirr deutet darauf hin. Allerdings deutsches Wort kann ich keines hören, was nicht heißt, dass Deutschsprachige hier nicht einsitzen. Aber vielleicht sind sie morgens sprachlich nicht so impulsiv oder derart in der Minderheit, dass ihre Wortspenden untergehen. Ich erinnere mich an unseren Besuch im Gefängnis in Stein an der Donau. Der Gefängnisleiter sagte uns damals, er habe aus allen Herren Länder Häftlinge. So viele, dass sie wöchentlich eine Gefängnis-Fußball-WM veranstalten können!

 

Besuch bei Generalvikar Harald Heinrich in „Sinnhofer“-Lederhose

Geschneutzt, gestriegelt und in Lederhose stehe ich knapp vor halb 9 Uhr im Bischöflichen Ordinariat (fünf Minuten vor der Zeit, ist des Gendarmen Pünktlichkeit – Anstandslehre auf der Burg Hohen Werfen!). Generalvikar Harald Heinrich hat sofort Zeit für mich. Ein Generalvikar ist kirchenrechtlich der Stellvertreter des Bischofs und somit eine nicht ungewichtige Persönlichkeit. Wir unterhalten uns gleich von Anfang an sehr gut und er will alle Details meiner Pilgerschaft wissen. Ich überreiche ihm die Ortschronik „1300 Jahre Seekirchen“, die einige Seiten über den Hl. Rupert enthält. Auch auf meinen Beitrag ab Seite 794 weise ich hin. Neben der Geschichte der Seekirchner Gendarmerie wird darin der Sachverhalt vom Sexualmord im Jahre 1947 im Riedlwald an einer jungen Lehrersgattin durch einen Russen beschrieben. Zeithistorisch sicher von Interesse, da dieser Mord das letzte vollzogene Todesurteil in Österreich (1949) zur Folge hatte. Vollzugsort: der Galgen im Hof des Gefängnisses in der Schanzlgasse in Salzburg.

Der Alf aus Ried (Bayern) wäre gerne mitgepilgert

Wir verplaudern uns einige Zeit, danach spute ich mich aber. Zwar liege ich noch vor der Zeit, aber mittwochs möchte ich in München sein. Freunde aus dem Flachgau haben sich angesagt. Sie wollen auf die „Wiesn“ zum Oktoberfest und es mit einem Treffen mit dem „Lederhosenpilger“ kombinieren. „Schau ma mal, dann seh ma schon“, würde dazu Fußballkaiser Beckenbauer sagen. Den Weg südostwärts nehme ich heute etwas hurtig. Es zieht und drückt nichts und das Gehen macht totalen Spaß. Leichter Regen zwischendurch, macht mir nicht wirklich was. Aufmunternd ist vor allem „Alf“, der kleine Hund, den den ich in der Ortschaft Ried treffe. Er wäre bereit mit mir mitzugehen, aber sein „Herrli“ hat was dagegen. So legt er sich halt in seiner Art der Zuneigungsbekundung auf den Rücken und hofft von mir gestreichelt zu werden…

 

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