Dem Lech entlang nach Augsburg

 

Sonntag, 23. September, 9. Pilgertag

Nach dem Frühstück besuche ich die Sonntagsmesse in der Kirche des Klosters Holzen. Pater Horst hält sie persönlich. Und trotz seiner merklichen Behinderung gelingt es ihm die Menschen in der Kirche in seiner Predigt mitzureißen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig und interessiert hörten alle zu: „… und wir wollen doch alle ein bisschen sein, wie Jesus, sonst wären wir heute Morgen nicht hierher gekommen…“

 

Sonntagsmesse im Kloster Holzen

Danach besuche ich nochmals Lucas, Valentina, Kerstin und Ralf, um mich zu verabschieden. Heute geht es gerade dem Lech entlang ins Herzen von Augsburg. Ich brauche nicht einmal eine Wanderkarte. Nur dem Flusse Richtung Süden folgen. Der Lech geleitet mich den ganzen Tag. Hier, nicht mehr viele Kilometer vor seiner Einmündung in die Donau, ist aus ihm ein gemächliches Wasser geworden. Man kann sich in diesem Teil des Flusses seine ungezügelte Wildheit in Lech am Arlberg, wo er entspringt und woher er auch seinen Namen hat, gar nicht vorstellen. Vielleicht ist das Gewässer auch ein wenig wie die Menschen. In der Kindheit, der Jugend wild und unbezähmt und mit zunehmenden Alter ruhiger, besonnener und nicht mehr so leicht aufregbar.

 

Der Lech entspringt in Lech am Arlberg

Während meiner Wanderung treffe ich – obwohl Sonntag – bis zur Stadt Augsburg fast keine Menschen. Viele Stunden bin ich mit der Natur eins. Das Gehen verändert die Tage hinweg die Gedanken. Man merkt es nicht gleich. Aber nach mehr als einer Woche fühle ich mich gestärkt und in meinem Tun gefestigt. Warum habe ich das nicht schon früher gemacht? So wohltuend ist diese Pilgerreise.

 

Im Zentrum von Augsburg gehe ich Richtung St. Stephan, als ein weißhaariger Mann mit Fahrrad an mir hält. „Sie sind der Pilger, der heute Nacht in der Benediktinerabtei schlafen möchte?“ So ein Zufall – oder göttliche Fügung! Ich musste keinen einzigen Passanten fragen, um ans Ziel zu kommen. Pater Othmar ist die gute Seele der Abtei und für die Gäste zuständig. Er zeigt mir das ganze Kloster, das auch ein Gymnasium beherbergt. Er erzählt mir die Geschichte der Benediktiner in Augsburg. Sie feiern heuer das 1000-jährige Gründungsjubiläum. Auch den Österreichbezug des Klosters erzählt er mir. 1802 wurde das Kloster säkularisiert und als man um 1835 den Betrieb wieder aufnehmen durfte, suchte sich der Abt Mönche in Österreich. Und so kamen zu dieser Zeit etwa 30 Männer aus dem Kaiserreich nach Augsburg.

 

Gut geschlafen in der Benediktinerabtei

In dem Bett des Klosters schlafe ich wunderbar. Am Morgen gibt’s noch feines Frühstück, bevor ich zur Audienz bei Generalvikar Harald Heinrich aufbreche.

 

Hier gibts Klosterfrühstück

 

 

Ein Gedanke zu “Dem Lech entlang nach Augsburg

  1. es ist jeden Tag schön die Zeilen von deinen Erlebnissen und Begegnungen zu lesen. Und, es freut mich auch das es dir mit jeden Tag den du unterwegs bist immer besser geht. LG und noch alles Gute aus Sbg. Lanschy