Dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen – Lederhosennackte Wadln

Donnerstag, 20. September – 6. Pilgertag

„Morgenstund hat Gold (Kilometer) im Mund (Füßen)!“ Wie wahr, wie wahr, ganz besonders beim Pilgern! Vor Mittag geht es sich am leichtesten. Heute hat es aber erstmalig Herbsttemperaturen (etwa 6 Grad). Meine „lederhosennackten Wadln“ zucken zusammen, beim ersten Außenluftkontakt. Die Nacht verbrachte ich im „Christlichen Gästezentrum Württemberg“ . Tief und fest schlief ich bis 5:30 Uhr. Vorm Einschlafen habe ich noch in der Bibel geblättert. Zuvor hat sie mir die nette Dame von der Rezeption geschenkt, nachdem ich ihr von meiner außergewöhnlichen Reise erzählt habe. Sie war beeindruckt und wäre am liebsten ein Stück mitgegangen. Eigentlich will und kann ich meinem Rücken zuliebe nichts Zusätzliches mehr mitnehmen, aber bei der Heiligen Schrift mache ich doch eine Ausnahme.

Durch Wald, auf Berge und geradeaus nach Heidenheim

Von Gmünd geht es nach Bargau und hoch zur Kitzinger Ebene, wo ich den prominenten Jakobsweg kreuze. Nach dem hin und wieder steilen Anstieg habe ich 700 m Seehöhe erreicht – zum Vergleich Gmünd liegt etwa 300 m ü.d.M. Geradeaus führt der Weg nach Bartholomä, von wo es einsam im Wald nach Zang geht. Dort grüßen mich die tüchtigen Asphaltierer ganz freundlich sprechen mir Mut zu. Ich gehe die letzten acht Kilometer voll motiviert nach Heidenheim a.d. Brenz weiter, muss ich doch nicht die schwere Arbeit der Straßenbelagsarbeiter tun. 50.000 Einwohner zählt die Stadt und die Burg hoch droben heißt Schloss Hellenstein. Eigentlich weit weg vom Schuss, aber eine enorme Arbeitsplatzkapazität hat die Stadt. Techno-Betriebe wechseln sich mit Bergbauprodukten ab. Nach einer kurzen Altstadtbesichtigung suche ich eine einfache Unterkunft. Im Süden der Stadt, im Industrieviertel, finde ich sie. Für € 28 heißt der Besitzer meines Bettes diese Nacht Gasthaus Lamm. Einfach, aber sehr sauber und die Wirtin freundlich bemüht.

Geh alleine!

Sechs Pilgertage liegen hinter mir. Ungefähr ein drittel meines Vorhabens. Ein Ratschlag an mich war: „geh alleine, du kannst besser in dich gehen und offener auf andere zugehen“ Genau so ist es! In diesen sechs Tagen habe ich Menschen kennengelernt, die hätte ich zu Zweit oder in der Gruppe nie getroffen, nie angesprochen. Sei es der Pilger, der seit 24 Jahren seinen Frieden sucht, der Herr Weeber, der mir die Geschichte von Heilbronn und der evangelischen Kirche verständlich machte, der Murrhardter Asylant in der Hühnerfarm oder Jörg der Schwäbisch Gmündner Bratwurst-Rebell. Und die, die ich aus Platzgründen gar nicht anführen konnte. Der Blinde, die römische Dame und viele mehr. Allesamt auf ihre Art intelligente und vor allem liebenswerte Menschen. Ich danke dem lieben Gott für diese Erfahrungen und vor allem dafür, was diese Mensche mir für meinen weiteren Lebensweg an Positivem mitgegeben haben! Und ich freue mich schon auf die Menschen, die in den nächsten Tagen auf mich zukommen werden…

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