Der Himmel wird wieder blauweiß

Freitag, 21. September – 7. Pilgertag

Brrr! Als ich um 7 Uhr das Gasthaus verlasse, sehe ich die angeeisten Scheiben der Autos. Es hat also über Nacht gefroren. Der Sulzau-Wandersteig führt mich waldwärts zur Industriestadt Giengen. Im Wald ist es kalt und meine Finger würden locker Handschuhe vertragen. Plötzlich landet auf der Wiese vor der Stadt direkt neben mir ein Kleinflugzeug.

Einen kleinen Espresso und ein Internetcafe, um meine Tagesberichte zu mailen, suche ich. Den Kaffee finde ich, den Internetzugang nicht. Es ist vermutlich noch zu früh, für derartige Lokale, die des Öfteren auch mit Spielautomaten verknüpft sind. Daher mache ich mich nach Osten auf und folge den breit angelegten Rad- und Wanderwegen.

Hundehochzeit

Zwei Gemeinden später, in Bachhagel, platze ich mitten in eine außergewöhnliche Hochzeit. Zuerst glaube ich, in der Ortschaft findet eine große Hundeveranstaltung statt. Die Hunde sitzen mit ihren Herrchen und Frauchen vor dem Gemeindeamt. Spalier sozusagen! Dann tritt plötzlich aus dem Standesamt das frisch vermählte Paar Hanni und Berni heraus. Diesmal müssen nicht die Hunde die Kunststücke machen, sondern das Brautpaar. Und: die Hunde schauen zu! Mit Bravour schaffen es die Beiden über die Hundehindernisse und sie müssen dann mit minifuzzi Scheren ein großes Herz mit ihren Namen aus dem Leintuch schneiden. Sogar als Zaungast bekomme ich Prosecco und Hans aus der Hochzeitsgesellschaft erzählt mir, dass es Beide zum zweiten Mal versuchen, weil ihre ersten Ehen schief gegangen sind.Ich stoße mit dem glücklichen Brautpaar an, wünsche langes Glück und mache mich nach Wittislingen auf.

Zwiebelturm, Gold und Erntedank

Die Sonne scheint und der Weg geht ohne schwere Orientierung nach Wittislingen. Dort sehe ich eine Kirche mit Zwiebelturm. Als nun schon erfahrener Pilger weiß ich, dass evangelische Kirchen nicht barockisiert und der spätromanische oder gotische Stil beibehalten wurde. Der Zwiebelturm ist ein untrügliches Zeichen, dass es sich um ein katholisches Gotteshaus handelt. St. Peter ist eine herrliche Kirche. Hier mitten auf dem Lande? Viel Gold und schöne Verzierungen im Inneren, geschmückt zum Erntedankfest. Statt mittags in einem Gastgarten verweile ich längere Zeit in der Kirche. Ein guter Zeitpunkt, ein perfekter Ort ein wenig in sich zu gehen. Neben den schönen Gedanken für die Seele, danken es mir auch meine Füße, die sich nach Entspannung sehnen.

Blauweißer Himmel

Ohne es so richtig begriffen zu haben, hatte ich den Weißwurstäquator überschritten. Seit Bachhagel befinde ich mich im Bundesland Bayern. Nach Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg bin ich nun schon im vierten deutschen Bundesland. Das Wetter und der Himmel sind hier heute wie die Landesfarben: blauweiß. Meine Wanderlederhose wird ab jetzt für selbstverständlich genommen. So treffe ich gegen 16:30 Uhr in Dillingen, einer großen alten Kreisstadt ein. Unzählige alte Häuser, Kirchen und Klöster gibt es hier. Zwei etwa fünfundsiebzigjährige freundliche Nonnen kann ich nicht ernstlich überzeugen, im Frauenkloster der Franziskaner übernachten zu dürfen. So nehme ich im Gasthof zur Traube Unterkunft, wo ich ein wirklich nettes Zimmer bekomme. Und ob die weiße Taube vorm Haus etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat, muss ich mir von kompetenter Stelle erst abklären lassen?

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