Löwensteiner Berge und wo das Ei herkommt?

Dienstag, 18. September – 3. Pilgertag

Schon früh um 6 Uhr habe ich fertig gepackt. Über den Grünmarkt, wo mir eine nicht ungeschwätzige Standlerin den Weg weist, mache ich mich ostwärts in die Löwensteiner Berge auf. Die heutige Tour gleicht fast den Wegen, die ich aus den Salzburger Bergen kenne. Freilich nicht so hoch, aber doch bergige Wanderwege. Bergauf, berab und durchwegs im Wald. Der Römerweg führt zur Stadt Löwenstein. Ein entzückendes kleines Städtchen inmitten von weitläufigen Weinbergen. Ich darf dort auch gleich den heurigen Wein verkosten. Der süsse Most schmeckt sehr gut. Lange kann ich nicht bleiben, denn mein Weg führt noch über Spiegelberg, Sulzbach ins Städtchen Murrhardt. Dort treffe ich gegen 18 Uhr ein. Der Weg war zwar von landschaftlicher Schönheit gekennzeichnet, jedoch auch sehr anstrengend. Und immerhin zwölf Stunden bin ich auch schon unterwegs.

Blasen und sonstige Missgeschicke

Ich habe es gestern schon erwähnt. Zwei kleine Bläschen an den Ferseninnenseiten machen mir das Gehen nicht gerade leichter. Blasen von meinen weichen, gedämpften und leichten Laufschuhen zu bekommen, hätte ich nie für möglich gehalten. Mit Blasenpflaster schaffe ich mir gute Erleichterung. Im Wald passiert mir dann noch ein Missgeschickt. Als sich ein dringendes Bedürfnis bemerkbar macht, hüpfe ich so schnell aus der Lederhose, dass sich der linke hintere Trägerknopf verflüchtigt. Ledernähzeug hab ich keines mit. So muss halt mit einer kleinen Schnurr improvisiert werden.Bei einer Brücke treffe ich auf die Figur des Hl Nepomuks. Ich klage ihm von dem mir widerfahrenen Unbill und der Brückeheilige muntert mich wieder auf.

Asylant sorgt für tägliches Ei

Abends lerne ich Costel (Constantin) kennen. Ein durchaus sympatischer Rumäne, der 1990 aus seiner Heimat geflohen ist. Er war damals 18 Jahre und hatte sich im Zugwaggon zwischen Waggondecke und Dach versteckt. Asyl wurde ihm gewährt und später kam es zur Zuteilung nach Murrhardt. Er spricht perfekt deutsch. Gearbeitet habe ich immer, wie er betont. Seit acht Jahren ist er in einem hiesigen Geflügelbetrieb beschäftigt. Der Migrant gibt mir ein wenig Einblick in sein Berufsleben. Drei Arbeiter haben 25000 Hennen zu versorgen. Mit sechs Wochen beginnen die Tiere Eier zu legen und mit zehn Monaten holt sie dann der Entsorger, für fünf Cent das Stück. Sein Chef sagt, wenn das Huhn nicht mehr täglich ein Ei legt, dann sei es unwirtschaftlich. Vollautomatisiert kommen die Tiere gegen 17 Uhr in ihre Legeabteilungen. Morgens um Fünf muss dann das Ei herausrollen. Passiert das nicht mehr regelmäßig, bedeutet es das Todesurteil für die arme, ausgebeutete Kreatur. Über eingesetzte Pharmamittel bei den Hühnern weiß er nicht viel. Nur: „natürlich werden sie geimpft“. Bedenklich über die unglaubliche Massentierhaltung und deren Auswüchse mache ich mich ins Bett auf. Der Tag war lange genugt.Aber ob ich mit diesen Gedanken gut schlafen kann?

 

Ein Gedanke zu “Löwensteiner Berge und wo das Ei herkommt?

  1. Nicht nur der Hl. Nepomuk gibt dir Kraft, auch wir senden nur positive Energie zu dir. Und wir wissen, dass du dich nicht von 2 Blasen (und auch den damit verbundenen Schmerzen) unterkriegen lässt. Nur immer weiter so, bist gut unterwegs.