Von Rohrbach nach Heilbronn – oder was mich mit Bettina Wulff verbindet

Montag, 17. September – 3. Pilgertag

Eines ist mir die ersten Wandertage klar geworden: nicht nur die Gattin des deutschen Expräsidenten Bettina Wulff hat hat ein Problem mit google. Auch meine ausgedruckten Wanderkarten haben nur bedingte Aussagekraft. Es ist unmöglich die angegebenen Straßen – Bundesstraßen – am Rand zu begehen. Der Verkehr ist viel und fürchterlich schnell. So bleibt es mir nicht erspart zuerst die autofreien Wanderruten zu suchen und dann nach Wanderkarte und Auskunftspersonen zu maschieren. Klar, die Autofahrer haben recht, sie dürfen 100 km/h fahren. Jedoch hat der im Auto ein anderes Geschwindigkeitsgefühl, als jener am Straßenrand. Aber das ist mir als Polizist ein durchaus bekanntes Phänomen. Auf der einen Seite freie Fahrt für freie Bürger, anderseits sollen vorm eigenen Wohnhaus die Fahrzeuge womöglich vorbeigetragen werden. Der Standort bestimmt halt den Standpunkt.

Pfarrer und Friseur

Der heutige Tag besticht durch klares Wanderwetter – nicht zu heiß, nicht zu kalt und trocken! Ab 7:15 Uhr führt der Weg nach Steinsfurt und über Ittlingen nach Massenbachhausen. Eine wunderbare Wanderung durch Wiesen und Fluren. So manches Wegkreuz lädt zum Verweilen ein. Die Seele kann man so richtig baumeln lassen. Ich denke an viel und gleichzeitig an nichts. Die ganze Gegend ist evangelisch. Nur in Massenbachhausen ist eine katholische Kirche. Zu Mittag treffe ich dort ein. Leider gelingt es mir icht, dort jemand anzutreffen. Nach den angeschlagenen Bürozeiten hat der hiesige Pfarrer seine Arbeitszeit nach den Friseuren gerichtet. Montag geht gar nichts! Auch an der Klingel Privat rührt sich keiner. Ich kaufe mir beim Bäcker Wasser und breche auf nach Heilbronn.

Carl Günther Weeber – ein Glücksfall

In Heilbronn beziehe ich eine einfache Pension zu € 39 (Großstadtpreis!). Zwei Blasen haben sich angemeldet, aber davon später. Ein echter Glücksfall ist, dass ich vor der evangelischen Kirche beim einem Kölsch zu einem Euro mit Carl Günther Weeber ins Gespräch komme. Gleich merke ich, wie belesen der Mann ist, obwohl er lange die Katze nicht aus dem Sack lässt, was seine Profession ist. Der Mann, rüstige 81 Jahre alt, weiß tausende Geschichten von der Stadt. Die Menschen aus dem Arbeiterbezirk Böckingen nennt man zum Beispiel seit Jahrzehnten „Seeräuber“, wie er sagt. Man erzählt sich, dass dort die Jungen früher zum 14. Geburtstag vom Bürgermeister ein Messer bekommen haben. Der Stadtteil ist ein richtiger sozialer Brennpunkt. Aber eigentlich verbringt der Mann seine Rente als evangelischer Kirchenführer zu St. Kilian. Er weiß eine Unmenge von der Kirchengeschichte und erzählt mir, wie er als 13-jähriger Bub die Brandbombenangriffe der Engländer und Amerikaner erlebt hat.Schrecklich einfach! Heilbronn wurde ja zur Gänze zerstört. Und woher kommt der Name Heilbronn? Er sperrt mir nach 20 Uhr noch die riesige Kirche auf und zeigt mir das Taufbecken. Unter der Kirche befindet sich eine Quelle, die das Becken direkt speist. Heilbronn – heiliger Brunnen! Nun muss er aber heim, sonst schimpft seine Frau, wie er sagt. Als Beweis für eine Entschuldigung gebe ich meine Visitenkarte und meinen Wanderplan mit. Guten Nacht und vielen, vielen Dank für das wunderbare Gespräch.

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