Verirrt zwischen Lampertheim und Heidelberg

Samstag, 15. September – 1. Pilgertag

Früh um 7:30 Uhr breche ich auf.In der Nacht hat es stark geregnet, die Wege trocknen langsam auf. Abkürzungsmäßig nehme ich den Weg durch den riesigen Vierheimer bwz. Käfertaler Wald. Plötzlich, nach etwa einer Stunde hört der Weg unvermittelt im Wald auf. Ich packe meine Wanderkarte aus, dreh sie links und rechts, nach oben und nach unten… es hilft nicht, in der Karte ist ein Weg – in der Natur aber nicht. Was tun? Ich entsinne mich meinr Bundesheerausbildung und mache mich dem Sonnenstand entsprechend durchs Dickicht in die vermutete Richtung auf. Den Spuren nach muss es hier Unmengen von Wildschweinen geben, mich lassen sie aber unbehelligt. Ein wenig mulmig kann einem schon werden. Kreuz und quer geht es durch den wilden Wald, bis ich doch Zivilisation finde und ein freundlicher Radfahrer zeigt mir den Weg. Das ist ja ein schöner erster Tag der Pilgerreise – gleich verirren!!

Anstrengende und lange Ettape

Dannach geht es zu einer Mannerheimer Siedlung. Der Weg dorthin ist auch waldig und mit alten Grenzsteinen versehen. 1783 lese ich in den Steinen, welche die Grenze zwischen den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz markieren. Auch komme ich an einem riesigen Areal der US Force vorbei. Alles verlassen und mit Stacheldraht abgesicht. Gespenstisch oder friedlich – ich werde mir selbst nicht einig! Nach einem langen Marsch schaffe ich es zum Nekar. Entlang des Flusses geht es über Ladenburg – Stadt seit dem Jahre 98! – nach Heidelberg, wo ich um 17 Uhr eintreffe. Ich bin natürlich viel weiter als die angepeilten täglichen 30 km gegangen und die Füsse freuen sich auf die Dusche und die abendliche Ruhe. Auch der Rucksack hat sich schön angehängt. Dabei hab ich nur das Notwendigste mitgenommen. Aber vielleicht kommt man mit noch weniger auch?

Alten Pilger getroffen

In Heidelbergs engen Gassen und Plätzen sind heute Tische und Verkaufsstände aufgestellt. Es wird gefeiert. Künstler musizieren und die Stadt ist voll mit Menschen. Am Eingang der Kirche treffe ich aber einen, der heraussticht. Javi – el peregrino – er erzählt mir, dass er bereits seit 24 Jahren auf Pilgerreise ist (was man riecht!), über seine Einsamkeit und dass er sich nun zur Ruhe setzen möchte, weil er so große körperliche Beschwerden habe. Gesehen hat er in den Jahren aber fast ganz Europa. Ich unterstütze ihn nach dem netten Gesapräch ein wenig mit Barem und mach mich zum Abendessen auf.

Freibier für Lederhosenträger

Beim Strohauer in Alt Heidelberg schaut der Gastgarten einladend aus. Kurz entschlossen setze ich mich hinein und schon bekomme ich von der ausnehmend hübschen Kellnerin eine Halbe Freibier serviert. Meine Fragezeichen werden schnelll beantwortet. In dem Lokal bekommen alle Gäste, welche mit Dirndl oder Lederhose kommen, das erste Bier gratis. Ein netter Zug und auch das Essen ist vorzüglich! Was auch von Nutzen ist: die Speisekarte ist phonetisch ins Bayrische übersetzt. So weiß ich wenigsten was ich bestelle. Nun ruft das Bett und – ach ja – schreiben soll ich für www.flachgau.tv auch noch was! Morgen gehts Richtung Sinsheim!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.