Ein Haus für alle

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Kaum mehr wiederzuerkennen: Der alte Neumarkter Pfarrhof nach der gelungenen Renovierung

Kaum mehr wiederzuerkennen: Der alte Neumarkter Pfarrhof nach der gelungenen Renovierung

Mit einer großen Feier, dem Erntedankfest und dem Pfarrfest wurde am 28. September des Haus St. Katharina in Neumarkt eröffnet. Das renovierte Haus am Neumarkter Kirchenplatz präsentiert sich nach dem Umbau als eine neue Stätte der Begegnung. Damit konnte die architektonische Neugestaltung des gesamten Kirchenbezirks mit der Stadtpfarrkirche, dem Pfarrer-Schwab-Park, der Friedhofkapelle, der Johann-Aigner-Volksschule mit dem attraktiven Turnhallentrakt, dem Pfarrhof, dem Kriegerdenkmal und dem Kulturdenkmal Schanzwall mit dem Wahrzeichen Schanzbogen stimmig abgeschlossen werden. Dazu kam auch, dass die Kirchenstraße und der Kirchenplatz eine neue Asphaltdecke beziehungsweise eine wirkungsvolle Pflasterung bekamen. Da bedurfte es einer guten Terminkoordination und Zusammenarbeit zwischen Stadtpfarre und Stadtgemeinde.

Von Prof. Franz Paul ENZINGER

Obwohl auf diesem Grundstück erst seit knapp 170 Jahren ein Haus steht, hat es bereits eine interessante Geschichte. Bis 1845 war die Parzelle unverbaut, sie gehörte zum Schanzgrund und damit der Marktgemeinde Neumarkt. Am 22. Juli 1888 brannte das Haus ab, nachdem es beim großen Marktbrand 1879 und beim Brand der Pfarrkirche 1887 verschont geblieben war. Die Brandruine erwarb Georg Eisl, der von 1897 bis 1900 Kommandant der Neumarkter Feuerwehr war, der das Objekt wieder aufbaute und es mit seiner Familie zwölf Jahre lang bewohnte. Unter den Bewohnern dieses Hauses waren ein Bürgermeister und zwei Ehrenbürger, zweifellos eine Besonderheit. Zuerst war es der Weinhändler und Käsereibesitzer Martin Sinnhuber, der von 1922 bis 1925 Gemeindeoberhaupt des Marktes Neumarkt war. Medizinalrat Dr. Eugen Konrad, dreißig Jahre lang Sprengelarzt in Neumarkt, lebte hier und hatte in diesem Gebäude auch seine Arztpraxis. Er war ein hochgeschätzter, vielseitiger Mediziner und leistete viel für die Gesundheit der Neumarkter Bevölkerung. Für seine Verdienste wurde er 1954 zum Ehrenbürger ernannt. Von 1965 bis 1992 diente das Haus Kirchenstraße 6 als provisorischer Pfarrhof und als Wohnung für Geistlichen Rat Pfarrer Matthias Schwab, der 1990 mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet wurde.

Pfarrer Michael Max segnete das Haus St. Katharina, das künftig eine Begnungstätte für alle sein soll

Pfarrer Michael Max segnete das Haus St. Katharina, das künftig eine Begnungstätte für alle sein soll

Nach dem krankheitsbedingten Umzug von Pfarrer Schwab und seiner Haushälterin Frau Margarethe Haggenmüller in das Seniorenwohnhaus St. Nikolaus in Neumarkt stellte sich die Frage nach der zukünftigen Verwendung des sogenannten „alten Pfarrhofes“, Kirchenstraße Nr. 6. Es galt, das bereits seit einem längeren Zeitraum leer stehende Haus zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Da das Gebäude Teil eines markanten Ensembles ist, war bei der Planung darauf zu achten, dass neben den erforderlichen Sanierungsarbeiten der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt bzw. betont wird. Im Sinn der Denkmal- und Stadtbildpflege sollte das Bauwerk mit dem Walmdach wieder ein Gesicht bekommen, aber auch den Ansprüchen einer zeitgemäßen und zweckgerechten Nutzung Rechnung tragen. Der Pfarrkirchenrat befasste sich erstmals am 19. Februar 2010 mit den Möglichkeiten, das Gebäude zu sanieren. Durch den Anstoß von Seiten der politischen Gemeinde konnte schließlich gemeinsam ein Konzept entwickelt werden, dass das Gebäude der Vielfalt des Lebens in der Stadtgemeinde Neumarkt zur Verfügung gestellt werden soll: als Ort der Begegnung, des Dienstes am Nächsten und der Gemeinschaft. In einer ersten Etappe im Sommer und im Herbst 2013 erbrachten zahlreiche Mitglieder von Neumarkter Vereinen eine beachtenswerte Eigenleistung, indem sie die Entrümpelung des Bestandsgebäudes, das Abschlagen des Putzes und die Rückführung auf den Rohbau bewerkstelligten.

Eine architektonische Besonderheit des Hauses sind die „preußischen Kappendecken“, Segmentgewölbe auf Eisentraversen. Diese Gewölbe, die sich in allen drei Geschoßen befinden, konnten erhalten werden. Die darüber befindlichen Fußbodenaufbauten wurden entfernt und durch einen Heizestrich ersetzt und mit neuen Belägen versehen. Um die alte Substanz mit ihren bis zu siebzig Zentimeter dicken Mauern zu unterstreichen, wurden Teile des Mauerwerks sichtbar gelassen und die Stahlträger der Kappengewölbe sandgestrahlt und farblich betont. Die Wände wurden im ganzen Haus neu verputzt, als Bodenbeläge wurden Eichenparkett für die Büro- und Versammlungsräume, für die Cafeteria eine Estrichbeschichtung und für die Sanitärräume Keramikfliesen gewählt. Großer Wert wurde auf die Isolierung des Hauses gelegt, auf die Verwendung von ökologischen und nachhaltigen Baumaterialien. So wurde der Vollwärmeschutz mit 12 cm dicken Hanfdämmplatten, einem nachwachsenden Rohstoff, angebracht. Das Haus bekommt mit einer Fußbodenheizung, die mit Fernwärme betrieben wird, ein behagliches Raumklima und eine angenehme Atmosphäre.

Im Haus St. Katharina wird in Zukunft die Regionalstelle der Caritas untergebracht sein, daneben wird es eine Teeküche geben, die den Nutzern und Nutzerinnen im Haus, aber auch den Veranstaltungen am Platz vor dem Haus gastfreundschaftliche Logistik zur Verfügung stellen kann. Zwei große Räume werden von der Stadtgemeinde für Vereinszwecke angemietet. Die Mietvorauszahlung dafür machte die Gesamtrenovierung erst möglich.

Der Pfarrgemeinde war es wichtig, dass die Gesamtinvestitionen von 540.000 € vor allem Firmen und Handwerkern aus Neumarkt oder der näheren Umgebung zukommen. So kam auch über das Drittel der Kosten, das die Erzdiözese übernommen hat, wieder ein großer Betrag aus dem Kircheinbeitragsaufkommen nach Neumarkt zurück.

Die umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen verliefen sehr erfolgreich, ausgezeichnet durch eine mustergültige Zusammenarbeit aller Beteiligten. Dem Neumarkter Architekten DI Martin Schönberger gelang es, aus dem baufällligen Haus etwas ganz Besonderes zu schaffen, ihm ein geschmackvolles Erscheinungsbild mit einer harmonischen Fassadengliederung zu verleihen und im Inneren für ein freundliches, gediegenes Ambiente zu sorgen.

Alle Vereine und viele Neumarkter gaben der Eröffnung einen würdigen Rahmen

Alle Vereine und viele Neumarkter gaben der Eröffnung einen würdigen Rahmen

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