Unter Geiern

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Eine der größten Fragen in der Comic-Geschichte schreit geradezu nach einer Antwort: Woher bekommt Obelix seine Hinkelsteine, die er ausliefern muss und daher laufend mit sich herumträgt? Vielleicht aus dem Naturpark Blockheide in Eibenstein? Dann müsste Obelix aber regelmäßig das Waldviertel besuchen.

Weißkopfgeier bei der Vogelschau auf der Rosenburg

Weißkopfgeier bei der Vogelschau auf der Rosenburg

Eines gleich vorweg: Obelix haben wir bei unserem Besuch in der Blockheide nicht gesehen. Passende Hinkelsteine aber schon. Die liegen hier gleich zuhauf in der Gegend herum. Nicht jeder Stein schaut so aus, wie jene von Obelix. Aber imposant sind sie alle. Wer durch die Blockheide streift und dabei die drei Kilometer lange Granittour entlang wandert, der kommt aus dem Staunen kaum heraus. Von der Natur geschaffene Steindenkmäler stehen da, denen die Menschen passend zum Aussehen Namen gegeben haben. So gibt es etwa das Teufelsbett oder den Teufelsbrotlaib, die Kobold- und Grillensteine. Am bekanntesten aber sind die Wackelsteine.

Gott selbst soll die Blockheide erschaffen haben, wenn man die Legende glaubt, die sich der Bildhauer Carl Hermann erdacht hat und die in der Region rund um Gmünd jedes Kind kennt. Nach der Erschaffung der Erde zog Gott eines Tages über den Manhartsberg nach Westen. Viele Steine lagen da umher und das ärgerte ihn. Also wollte Gott diese Steine einsammeln. Deshalb band er sich eine blaue Schürze um und begann mit der Arbeit. In der Umgebung der Blockheide riss durch das Gewicht der Steine jedoch das Band der Schürze. Die Granitsteine fielen auf den Boden und rollten durcheinander. Und weil es schon dämmerte, ließ Gott die Steine liegen und ging heim. Am nächsten Tag vergaß er ganz einfach auf die Blockheide und seither liegen dort die Steine.

Ein typischer Fall von Steinpilz

Ein typischer Fall von Steinpilz

Wir haben uns diesmal das Waldviertel als Ziel für unsere beinahe schon traditionelle Motorradtour im Mai gewählt. Im Ferienhof Stranzl, im Schatten der mächtigen Burg von Rapottenstein, haben wir Quartier genommen und von hier aus die Gegend erkundet. Das Wetter? Naja, Mai 2014 halt. Die Regenkluft wurde jeden Tag gebraucht. Aber es gab auch Lücken im Wolkenhimmel. Genau während so eines Schönwettereinbruchs saßen wir im Park des Schlosses Rosenau und über uns kreisten die Geier. Mächtige Weißkopfgeier mit Spannweiten kleiner Segelflieger und Schnäbel so scharf wie ein Rasiermesser. Die Vogelschau ist die Attraktion im Schloss Rosenau und lockt alljährlich Tausende Besucher an.

Schloss Rosenau ist beileibe nicht das einzige historische Gemäuer in diesem Landstrich. Vielmehr begegnen einem alte Burgen und Schlösser beinahe auf Schritt und Tritt: Heidenreichstein und Schauenstein, Arbestbach und Hardegg, Kolmitz oder Gars. Diese Aufzählung ist jetzt beileibe nicht komplett oder gar irgendwie geographisch gereiht, sondern einfach nur wahllos aus der Erinnerung heraus entstanden. Wer für Ritter und Burgfräuleins schwärmt und sich von den vielen Facetten des Mittelalters verzaubern lassen möchte, der ist hier richtig.

Wegweiser durch die Blockheide

Wegweiser durch die Blockheide

Wir aber sind gekommen, um auch ein bisserl mit den Motorradln zu fahren. Weil die Straßen im Waldviertel sind gut ausgebaut, der Verkehr hält sich in Grenzen und die lohnenden Ziele sind nicht weit von einander entfernt. Zum Beispiel die entzückenden Städte Gmünd oder Weitra mit ihren historischen Stadtkernen oder der Ottensteiner Stausee. Der könnte mit seinen wildromantischen Seitenarmen und den dicht bewaldeten Ufern auch irgendwo in Kanada sein. Wer Zeit hat, sollte sich ein Kajak oder zumindest ein Ruderboot mieten und damit ein kleines Stück des Sees erkunden.

Wir haben die Schinakeln an den Stegen liegen gelassen und uns nach Kaffee und der hier landstrichtypischen Mohntorte wieder auf die Maschinen gesetzt, um dem Stift Zwettl einen Besuch abzustatten. Das wurde 1138 von Hadmar I. von Kuenring und seiner Stiftung aus der Taufe gehoben und 1159 konnte die erste Klosterkirche geweiht werden. In der Folge wird dieses Stift immer erweitert und erneuert und vor allem in der Zeit des Barocks zu seinem heutigen Aussehen gebracht. Mit dem Kirchturm als unverkennbares Wahrzeichen und seiner einzigartigen Bibliothek. Im 20. Jahrhundert übersteht das Stift beide Weltkriege und erst im vergangenen Jahr wurde eine große Sanierung beendet. Die dürfte viel Geld verschlungen haben. Weil zum einem wird auf einer großen Steintafel recht huldvoll den Sponsoren dieser Renovierung gedankt. Auf der anderen Seite wird aber recht kaltschnäuzig auch jenen Besuchern Eintrittsgeld abverlangt, die nur die Kirche sehen wollen. Wer den Obolus nicht berappt, steht einfach vor einem großen Gitter. Was mir persönlich jetzt wieder ziemlich egal war, einigen Mitfahrerinnen aber mächtig Ärger verursachte.

Natur pur: Ottensteiner Stausee. Der könnte genau so gut irgendwo in Kanada sein

Natur pur: Ottensteiner Stausee. Der könnte genau so gut irgendwo in Kanada sein

Den konnte unsere Gastgeberin aber rasch wieder glätten. Mit einer Suppe aus Giersch (Dreiblatt, Geißfuß, Ziegenkraut). Das ist eine alte Gewürzpflanze, fast könnte man schon Unkraut sagen. Lange gekocht entwickelt Giersch einen Geschmack, der von einer kräftigen Rindssuppe nicht zu unterscheiden ist. Echt tierisch war hingegen das Fleisch für den Rindsbraten als Hauptgang. Die Rinder sind im eigenen Stall herangewachsen. So wie auch die Erdäpfel für die Erdäpfelknödel gleich hinter dem Haus gereift sind. Jetzt muss ich gestehen, dass ich diesen Knödeln stets mit einer gewissen Skepsis gegenüber stehe. Ich kann mich an Exemplare erinnern, die so fest waren, dass sie kein Messer durchsägen konnte. Oder so gummiartig, dass sie sprangen wie ein Tennisball. Die Knödel, die wir aber im Waldviertel serviert bekommen haben, waren so weich und luftig, dass sie mit der Gabel zerteilt werden konnten und die Soße aufgesaugt haben, wie der feinste Semmelknödel.

So gestärkt, stand am nächsten Tag der Heimreise nichts im Weg. Dazu schlugen wir den Weg über Sandl und Windhaag bei Freistadt ein, schlüpften bei Wullowitz über die Grenze und ließen uns einmal mehr von der landschaftlichen Schönheit des nördlichen Moldaustausee-Ufers verzaubern. Ende Mai herrscht auch hier noch Vorsaison und dementsprechend hält sich der Verkehr selbst zwischen den touristischen Zentren Lipno und Frymburk in Grenzen.

Dieses Kunstwerk erinnert an die Grenzöffnung vor 25 Jahren

Dieses Kunstwerk erinnert an die Grenzöffnung vor 25 Jahren

Wer den Moldaustausee nicht ganz ausfahren will, der hat die Möglichkeit, mit einer Fähre auf´s südliche Ufer überzusetzen. Von dort ist es dann nur mehr ein Katzensprung ins Mühlviertel. Wir haben uns für die Variante über Bayern entschieden. Sind über Freyung, Waldkirchen und Hauzenberg gefahren und brauchten auch auf eine Fähre nicht zu verzichten. Eine solche verkehrt nämlich auf der Donau zwischen dem bayerischen Obernzell und dem innviertlerischen Esternberg. Und immer wenn wir in dieser Gegend mit den Motorrädern unterwegs sind, bitten wir den Fährmann um eine Überfahrt. Ob man sich dadurch wirklich Zeit und Kilometer erspart? Ich weiß es nicht. Eine Gaudi ist diese kleine Schifffahrt aber immer wieder auf´s Neue. Und warum sollten wir uns diesen Spaß nicht gönnen…?

Rupert Lenzenweger

Suchbild: Wo ist der Motorrdfahrer. Wir haben aber beileibe nicht unseren Kleinsten versteckt

Suchbild: Wo ist der Motorrdfahrer. Wir haben aber beileibe nicht unseren Kleinsten versteckt

Die Rosenburg

Die Rosenburg

Fährmann setz über: vom beyerischen Oberzell geht`s an oberösterreichische Donauufer

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Kunstvoll restaurierte Häuser am Stadtplatz von Gmünd

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