Der Volkskünstler

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Es muss 1980 oder 1981 gewesen sein. Ich war ein journalistischer Jungspund und durfte als eine meiner ersten Reportagen ein Interview mit dem Künstler Hans Mairhofer-Irrsee machen. Seither habe ich Hunderte Interviews geführt, Reportagen geschrieben und noch mehr Zeitungsseiten mit den dabei entstandenen Texten gefüllt. Vieles davon habe ich vergessen. Das Interview mit Hans Mairhofer-Irrsee aber nicht.

Typisch Mairhofer-Irrsse. Diese wuchtige Skulptur stellt Johannes den Täufer dar

Typisch Mairhofer-Irrsse. Diese wuchtige Skulptur stellt Johannes den Täufer dar

Weißer Bart, zerraufte Haare, schelmischer Blick und spitzbübischer Humor. So stand mir der Künstler damals gegenüber. Das erste was er mir zeigte, war ein langer Stecken, an den er einen alten Stahlhelm genagelt hatte. „Was sagst?“ Ich zuckte die Schultern. Dann kam die Erklärung: „Als die Bauern aus den alten Stahlhelmen Schöpfer machten, um damit in der Adelgrube zu fischen, da wusste ich: Jetzt ist der Krieg vorbei“.

Mehr muss jetzt eigentlich gar nicht gesagt werden, über die Kunst des Hans Mairhofer-Irrsee. Aber man kann mehr darüber sagen. Zum Beispiel, dass Mairhofer-Irrsee sein Leben lang ein Sammler und Bewahrer bäuerlichen Kulturgutes war, der in seinen 85 Lebensjahren unzählige Bilder und Skulpturen geschaffen hat. Ein Teil dieser Kunstwerke ist noch bis 30. Oktober auch in einer Sonderausstellung im Freilichtmuseum Sumerauerhof in St. Florian bei Linz zu sehen. Anlass dafür ist der 100. Geburtstag, den Hans Mairhofer-Irrsee heuer gefeiert hätte. Tatsächlich ist der Künstler 1998 gestorben.

In Zell am Moos ist Hans Mairhofer-Irrsee allgegenwärtig. Sein einstiges Wohnhaus ist zum Irrseer Heimathaus geworden. Das hat er selbst dazu gemacht, nachdem er irgendwann damit begonnen hat, ausgewählte Skulpturen, Bronzen und Reliefs im großen Garten aufzustellen und diese in selbst erbauten Kleingebäuden und Nischen einzubauen oder mit schützenden, begrünten Dächern zu überbauen. Daraus entstand eine Symbiose aus Kunstwerken und liebevoll gepflegten Gartenpflanzen von Gattin Elisabeth und Tochter Monika Mairhofer.

Hans Mairhofer-Irrsee war auch Schriftsteller und machte sich 1955 „Gedanken bei Tauwetter“. 1976 schrieb er die Lebensgeschichte von Franz Winkelmeier nieder. Der war in den 1880er Jahren mit 2,58 Meter der größte Mensch der Welt und wurde als „Riese von Lengau“ in ganz Europa bekannt.

Das Freilichtmuseum Sumerauerhof ist bis Ende Oktober von Dienstag bis Sonntag von 10 – 12 und von 13 – 17 Uhr geöffnet. www.sumerauerhof.at

Rupert Lenzenweger

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