Quer durchs „Eachtling-Land“

Der Lungau wird für seine unberührten Naturlandschaften geschätzt. Bekannt ist er aber auch für die  nur hier wachsenden, kräftigen und wohlschmecken Erdäpfeln. Einheimisch werden sie als „Eachtling“ benannt. Und wer im Lungau jemals gewesen ist, sollte zumindest ein regionales Erdäpfelgericht gegessen haben. Wer das unterlässt, hat sich einer kulinarischen  Todsünde schuldig gemacht. Dritter Bekanntheitsgrund des von den Hohen Tauern eingebetteten Tals sind die noch immer hellwachen, alten Volksbräuche. In dem jahrhundertelang verkehrsmäßig abgeschotteten Gebiet, hat sich vieles erhalten, was im urbanen Bereich um und in der Stadt Salzburg verloren gegangen ist.

So ein Brauch ist etwa das „Samson-Tragen“. Der Samson ist ein Riese, der bei Festumzügen mitgetragen wird. Mit Musikbegleitung tanzt er vor jedem Gasthaus den „Samsonwalzer“. Eigentlich ist der Samson eine Figur aus dem Alten Testament mit übermenschlichen Kräften. Symbolisch stellt der Samson den Kampf der Juden gegen die Philister dar. Seine Geliebte, eine Philisterin, verriet den Feinden, dass die Kraft von den Haaren Samsons kommt und so wurde er der übernatürlichen Kraft beraubt. Der Unternberger Samson ist 5,2 Meter hoch und hat ein Gewicht von 90 kg. Am Ulrichsprangtag, im Juli jeden Jahres, zieht er durch die Lungauer  „Murgemeinde“.

Der 5,2 Meter hohe und 90 kg schwere Samson von Unternberg im Modell. Als einziger Riese im Lungau salutiert er.

Zum Lungauer Brauchtum gehört auch das Abbrennen des Osterfeuers. Es ist ein keltischer Brauch, der vom Christentum zu Ostern übernommen wurde. Ursprünglich huldigten die Menschen der Göttin „Ostara“ mit einem eigenen Lichtfest. Das in Blockbauweise errichtete Osterfeuer wird in der Nacht zum Ostersonntag abgebrannt. Das Feuer glüht aber noch lange in den nächsten Tag hinein. Eine Spezialität des Osterfeuers kann die Gemeinde Unternberg vorweisen. Sie zimmern ein gedrehtes Osterfeuer. Eine „Wendeltreppe in den Himmel“, wie sie schmunzeln.

„Wendeltreppe in den Himmel“ – das Osterfeuer in Unterndorf wird in gedrehter Blockbauweise aufgerichtet.

Auf meinem Weg entlang der Mur nach Tamsweg komme ich am Weiler  „Neggerndorf“ vorbei. Genervt von vielen Debatten um des „Kaisers Bart“ im Landtag, ausgelöst von der „Gutmenschpartei“, kann ich mir den Gedanken nicht verkneifen: wie würden sie, wenn sie nur könnten, das Dorf umbenennen?

Was würden wohl die selbsternannten „Gutmenschen“, die zwar Meinungsfreiheit predigen, aber nur ihre Meinung gelten lassen, aus dieser Ortstafel machen, wenn sie dürften, wie sie wollten?

Am Ende der heutigen Wanderung erreiche ich die Lungauer Metropole und Hauptstadt „Tamsweg“. Dort führt mein Weg zur Wallfahrtskirche „Stankt Leonhard“, wo ich von der Mesnerin herzlich empfangen und sogar zum Geburtstagsessen der Enkelin eingeladen werde. Marianne Resch ist seit 54 Jahren Mesnerin in der Wallfahrtskirche. Ich wurde also gerade einmal geboren, als sie ihr Amt antrat. Erzabt Korbinian Birnbacher kennt sie persönlich. Beim Abschied ersucht sie mich, ihm die allerbesten Grüße von der Mesnerin auszurichten. „Er kennt mi eh guat“, wie sie zum Abschied winkend versichert.

Auf der Hausbank mit der Mesnerin Marianne Resch. Sie ist seit 54 Jahren in der Wallfahrtskirche St. Leonhard oberhalb von Tamsweg im Amt.

 

 

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