Mein Friedenspilgerweg von Cormons nach Bergheim

400  km und 8000 Höhenmeter

Nach meinem 550 Kilometer langen Pilgermarsch von Worms an Rhein nach Seekirchen im Jahre 2012, gehe ich diesmal von Cormons, dem Hauptort im Collio, im lieblichen Friaul, nach Bergheim zu meiner „Gefühlsbasilika“ Maria Plain. Start ist am 18. August 2017, dem 187. Geburtstag Kaiser Franz Josephs, von Cormons. So wie nach Worms begleiten mich Freunde zum Abmarschpunkt. Etwa 400 Kilometer und mehr als 8000 Höhenmeter, also in etwa die Besteigung des Himalaya, des höchsten Berges der Welt, stehen vor mir.  Vor allem hitzemäßig ist die Route im Friaul  im August anstrengend. Jedoch überquere ich auch die Alpen und darf gegebenenfalls schon Ende August, Anfang September mit Schneefall rechnen. Also heißt es beim Gepäck gut mitdenken. Die Kleidung darf nicht zu heiß, nicht zu kalt aber schon gar nicht zu schwer sein. Der Pilgerwanderer wird genügsam in seinen Bedürfnissen, zumal er alles selbst im Rucksack mitzutragen hat. Und wer glaubt, er brauche auch als Pilger jeden Zivilisationskram, der spürt schon bald wie unerbärmlich die Rucksackträger in die Schulter drücken und einschneiden. Eine schöne und wichtige Pilgererfahrung ist deshalb: Die Genügsamkeit!

Warum gehe ich alleine?

Mein erster Pilgerweg hat mich gelehrt, der einsame Wanderer sieht, hört und riecht am meisten. Auch die Konversation mit Menschen, die man auf der Wanderung trifft, ist viel intensiver, als wenn beispielsweise zwei Freunde miteinander beschäftigt unterwegs sind. Viele Gespräche und Begegnungen würden gar nicht stattfinden. Alleine höre ich jedes Vöglein zwitschern, die Bächlein plätschern, das meckern der Ziegen, rieche die Blumenwiese, erblicke die Schönheit der Landschaft in allen Fassetten, genieße ungestört den schützenden Schatten des Waldes und bin ganz eins mit der Natur.

Warum gehe ich überhaupt?

Ich habe 20 Tage Anstrengung, manche Qualen, oftmals Überwindung und nicht ungefährliches Terrain zu bewältigen. Angeregt hat mich natürlich meine erste Pilgerreise, aber auch viel Dankbarkeit. Dankbarkeit macht glücklich. Dankbar bin ich, 35 Jahre als Gendarm bzw. Polizeikommandant unverletzt und gesund überstanden zu haben. Dankbar bin ich auch für die lange Friedenszeit, insbesondere zwischen Italien und Österreich. Bei meinen vielen Reisen ins altösterreichische Friaul im Rahmen der Salzburg-Friulansichen-Gesellschaft und dem Besuch so mancher Kriegerstätte, etwa in Redipuglia, danke ich der Schöpfung, dass ich das Glück habe, diese wunderbare Gegend inhalieren zu dürfen. Vor 100 Jahren wäre ich als Salzburger Soldat hier gewesen und Teil dieses unmenschlichen Krieges, den die Italiener „La Grande Guerra“, also den „Großen Krieg, nennen. 600.000 Tote hatte Italien, das im Mai 1915 auf lapidare Landgewinn-Versprechungen von England und Frankreich dem Kaiser von Österreich in Pontebba den Krieg erklärt hat, zu beklagen. Ernüchternd war für Italien dann der Friedensvertrag von St. Germain. Statt den von der Entente versprochenen großen Gebietsgewinnen, einschließlich Dalmatien, bekamen sie „nur“ das Kanaltal und Teile des Trient und Südtirol. Für so viele  tote Soldaten und Zivilisten eine magere Ausbeute. Die vielen überdimensionalen aus den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stammten Kriegsdenkmäler im Stile Mussolinis sollen wohl als Kompensation des Nichterhalts der versprochenen Länder dienen. Und zur Motivation darf ich noch etwas nicht verheimlichen: 20 Tage gehen bedeutet, 20 Tage keine Termine, keinen Dienst, den Kopf freimachen, das Herz freimachen, die Seele freimachen! 20 Tage gehen heißt, bei der Ankunft, trotz der Anstrengungen so leicht wie eine Feder zu sein…

Friedensgespräch mit Bürgermeister Dr. Roberto Dipiazza im Rathaus von Triest im April 2017

Warum der Start aus Cormons?

Es war der Redakteur Wolfgang Weber, der mich 2005 zur Vernissage des leider schon verstorbenen Salzburger Künstlers „Günther Schatzdorfer“ nach Sistiana, in seinem Wagen mitnahm.  Ein wunderbares Erlebnis in der Bucht von Duino. Genächtigt wurde allerdings eine halbe Stunde Autofahrt entfernt, in keinem Tourismuszentrum, sondern in Cormons. „La poc da Subide“ war unsere Unterkunft. Eine wunderbare Unterkunft am Rande der Stadt und des Berges Monte Quarin, der seither meine Lieblingslaufstrecke bei jeder Nächtigung in Cormons ist. Verköstigt wurden wir in den sanften Weinhügeln im Agriturismo (Urlaub am Bauernhof) von der Weinbäuerin, der Großmutter und die Tochter sprach auch damals schon etwas schuldeutsch. Das Frühstück der Großmutter mit klein geschnittenem Obst war unwiderstehlich und ist seither mein Frühstückstraum. Aber Cormons bietet viel mehr. Das 20.000 Einwohner Städtchen war vom 15. Jahrhundert bis 1918 österreichisch. Es wurde nicht kriegerisch erobert. Die Grafen von Görz, heute Gorizia, hatten keine Nachfolger und vererbten das Gebiet den Habsburgern, die auch heute noch dort hoch geachtet werden.  Das beweist das Denkmal von Maximilian dem Ersten (genannt der letzte Ritter) am Platz neben der Osteria Caramella. Dazu muss man wissen, dass Habsburgerdenkmäler aufgrund oftmaliger kriegerischer Auseinandersetzungen mit Österreich in Italien nicht gerade häufig sind. Deshalb ist die „Massimiliano“-Statue eine Einzigartigkeit. Lediglich die „Elisabetta“-Statue vor dem Bahnhof Triest ist ein wiederbelebtes Zeichen alter Habsburgerherrschaft in Friaul. Übrigens hat der Bahnhof von Triest mit dem Salzburger Hauptbahnhof nicht nur die „Sisy“-Statue am Vorplatz gemeinsam, sondern auch der Planer, Ingenieur Karl Wurmb, war der selbe. Immerhin war damals ja alles ein Kaiserreich und Franz Joseph, der Gründer Österreichischen Gendarmerie, der Kaiser.

In Cormons: Maximilian, der Erste, genannt der letzte Ritter

Warum ist Maria Plain der Ankunftsort?

Die Basilica minor in Maria Plain, in Bergheim bei Salzburg, gehört zu den Orten, wo ich mich am Wohlsten fühle. Ein richtiger Kraftplatz! Seit mehr als 300 Jahren befindet sich dort das Gnadenbild der Heiligen Maria Mutter Gottes.  Es überstand 1633 unversehrt einen Großbrand in Niederbayern und wurde später zur nunmehrigen Wallfahrtskirche gebracht. Erwähnt muss aber auch der Plainwirt werden. Ein historisches Gasthaus mit herzlichen Wirtsleuten, die sich um das Wohl der Gäste ganz besonders kümmern. „Alt-Wirt“ Hans Moßhammer ist zudem ein wandelndes Lexikon, was die Geschichte der Basilica betrifft. Jedes Detail kennt er. Und er kann sie auch sehr interessant und mitreißend erzählen. Aber auch sein soziales Engagement beim „Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem“ ist hervorzuheben.

Die jungen Wirtsleute führen das Gasthaus in der gewohnt guten Tradition fort. Deshalb freue ich mich, dass Wirt „Johannes“ sofort eingeschlagen hat, als ich wegen meines Empfangs bei ihm vorgesprochen habe. Friedenswein, die Pilgerbratwurst und die Pilgersuppe schmecken bei ihm besonders gut. Des Weiteren kann das Ambiente und die Aussicht über die Stadt Salzburg, mittendrin unser Salzburger Wahrzeichen, die Burg Hohen Salzburg, und dahinter das unschlagbare Panorama der Alpen, voll genossen werden. Und noch was: Ich kenne Maria Plain seit meiner Kindheit. Meine Eltern haben dort geheiratet und ich war mit dabei! Voriges Jahr haben sie die Goldene Hochzeit gefeiert.