Ein Wiedersehen mit der alten Keltenstadt

Beim  ersten Blick aus dem Fenster sehe ich es sofort. Mein Herz hüpft vor Freude. Wolken, Nebel und Regen sind weg. Die Sonne gibt sich alle Mühe hinter den Bergen hervorzukommen. Auch die mächtigen Spitzen der Alpen sind wieder zu sehen. Und siehe da! Sie sind voller Schnee. Meine Schuhe und Socken sind auch halbwegs trocken geworden. Vorm Aufbruch Richtung Hallein wird noch ordentlich gefrühstückt. Dazu gibt es die Kronenzeitung aus Salzburg. Redakteur Wolfgang Weber hat meinen Besuch in der Volksschule in Tarvis redaktionell aufgegriffen. Er berichtet auf zwei Seiten mit seinem bekannt brillanten literarischen Talent ausführlich darüber.

Der Wolkenvorhang ist weg. Herrliche Aussicht auf den Trattberg.
Der Schlechtwettereinbruch der letzten drei Tage brachte den ersten Schneee im Gebirge.
Medienbericht über meinen Besuch in Tarvis.

Montagmorgen! Am Weg nach Bad Vigaun muss ich ein Stück entlang der Landesstraße gehen. Wie an so vielen Straßen im Land Salzburg sehe ich gleich mal die Warnung „Achtung Fahrbahnschäden!“ Die Landesregierung lässt ihre Bauten, das sind auch Straßen, verkommen. Der Rechnungshof hat dies schon mehrmals kritisiert. Geholfen hat es leider nicht. Statt die Straßen Stück für Stück zu sanieren, werden Warnschilder und Geschwindigkeitsbeschränkungen aufgestellt. Freilich, das ist billiger, aber ob es auf Dauer sinnvoll und wirtschaftlich ist, das hinterfragt offenbar niemand. Ein herziges Verkehrszeichen habe ich am Ortseingang von Bad Vigaun gesehen. Es zeigt, dass die Menschen hier ein Herz für Tiere haben. Und geschwindigkeitshemmend ist es obendrein.

Verkehrszeichen „Andere Gefahren“ mit Ente, statt dem Rufzeichen im weißen Dreieck.

In Bad Vigaun mache ich eine Runde im Dorf. Kirche und Gemeindeamt sind die zentralen Punkte. Ein „Kirchenwirt“ fehlt. Das ist sehr selten. Neben der Dorfkirche ist in den meisten Gemeinden ein Gasthaus zu finden. Nach der anstrengenden Messe am Sonntag hat sich so mancher den Frühschoppen verdient. Außerdem wird am Stammtisch besprochen, was die ganze Woche im Dorf so geschehen ist. Und politisiert wird sowieso. Welche Partei hier wohl die „Stammtischhoheit“ hat?

Herrlichdes Wanderwetter. Sonnig, aber nicht mehr so heiß,  wie vor dem Schlechtwettereinbruch. So maschiere ich fröhlich in die alte Keltenstadt, nach Hallein weiter. Die Stadt hat schon viele wirtschaftliche Auf- und Abstiege erlebt. Der reichtumbegründende Salzbau musste eingestellt werden und so mancher hier angesiedelte Industriebetrieb sperrte seine Pforten, andere eröffneten dafür wieder.

Vor Jahren hatte die Stadt den Spitznamen: „Klein Istanbul“.  Durch den hohen Arbeiterbedarf der Industrie siedelten sich viele Türken und Andersstämmige in Hallein an. Von all dem merke ich diesmal gar nichts. Am zentralen  Bayrhamerplatz bei einem Espresso und Soda-Zitrone sitzend genieße ich das Treiben. Die italienische Gelateria zieht mächtig viele Menschen an. Vor allem Jugendliche! Die Stadtväter haben den Ort ziemlich herausgeputzt. Der Platz, wie überhaupt die Altstadt, hat ein tolles Pflaster bekommen. Die teilweise sehr, sehr alten Häuser wurden großteils vorbildlich saniert.

Ein Bild von der wieder florierenden Holzindustrie in Hallein.

Hallein kenne ich schon seit meiner Lehrzeit als Kupferschmied. In den Jahren 1979 bis 1982 habe ich hier die Berufsschule für Metallverarbeitung besucht. Zwei Monate durchgehend, pro Lehrjahr. Um 6 Uhr musste ich in Seekirchen in den Zug einsteigen, um zeitig zu Schulbeginn in Hallein zu sein. Fachrechnen und Politische Bildung waren meine Lieblingsfächer. In der Praxis unterrichtete uns Meister „Möbius“. Er lehrte mich aus Kupfer fein hämmernd kleine Kunstwerke zu formen.

Seit 35 Jahren war ich nicht mehr bei der Schule. Heute nutze ich die Gelegenheit und mache einen Abstecher zum Schulgebäude. Fast unverändert! Ich habe meine ehemalige Wirkungsstätte sofort wiedererkannt.

Ein Wiedersehen nach 35 Jahren: Berufsschule für Metallverarbeitung in Hallein.

Am Weg zur Berufsschule fällt mir das kleine Cafè rechts neben der Straße im Erdgeschoss eines Wohnblocks auf. „Servus“, lautet der jetzige Namenszug. Es hieß damals sicher anders. Dort saßen wir Berufsschüler manchmal, wenn wir auf den Zug warten mussten oder sich sonst Zeit dafür ergab. Der damalige Postenkommandant von Hallein, ein elegant auftretender Mann, war ebenso öfters anzutreffen. Und an eine ganz besondere Begegnung in dem Cafè erinnere ich mich spontan. An Fred Sinowatz! Er war damals noch nicht Bundeskanzler, aber Unterrichts- und Sportminister. Meine erste direkte Begegnung mit einem Mitglied der Bundesregierung. Wir waren ob seiner Prominenz ganz ergriffen. Da saß jemand, den ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Die Bilder habe ich nun wieder ganz genau vor Augen. Er war am Nebentisch mit anderen, mir unbekannten, aber vermutlich wichigen Leuten. Sinowatz trank ein kleines Bier und bestellte eine Packung Zigaretten. Eine Zigarette rauchte er. Die restliche Packung ließ er liegen. Fette Beute für uns Lehrlinge. Die Lehrlingsentschädigung war ja nicht gerade üppig. Und so freuten wir uns über die gratis Packung „Tschick“. Weltweit bekannt war der Burgenländer geworden, weil bei seiner Eröffungsrede von den Olympischen Spielen 1976 in Innsbruck das Mikrofon plötzlich ausfiel. Mit Strom wiederversorgt, sagte er, es werden wohl einfache Spiele! Gemessen an denen, die folgten, waren sie es auch.

In diesem Cafè traf ich zum ersten Mal ein Mitglied der österreichischen Bundesregierung persönlich.

 

 

 

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