Die Königsetappe! 32,5 km und 1000 Höhenmeter

Kirche Mariapfarr

Um 8 Uhr breche ich in Mariapfarr auf. Auf dem Programm steht der lange Weg zum Oberhüttensee. Zuerst steuere ich die Gemeinde Weißpriach an. Eine Passantin mit einem großen schwarzen Hund verrät mir eine Abkürzung auf dem Wald- und Wiesenweg zwischen den beiden Gemeinden. Ich nehme den freundlichen Vorschlag gerne an, stehe jedoch nach ein paar Kilometern mitten im Feuchtgebiet der „Longa“. Den ganzen Weg zurück gehen oder versuchen von Stein zu Stein, von Grasbüschel zu Grasbüschel zu hüpfen, um so das seichte, aber große Biotop zu überqueren? Ich entschließe mich für Variante zwei. Und es dauert nicht lange und schon ist es geschehen. Ich versinke fast knöcheltief im Schlamm. Socken und Schuhe sind naß. Beides ziehe ich aus und watschle barfuß durch das kalte Naßgebiet. Pfarrer Kneipp hätte seine Freude gehabt. Erst kurz vor Weißpriach ziehe ich meine Schuhe wieder an.

Im Schlamm des Feuchtgebietes der „Longa“ versunken.

Bis jetzt war der Himmel „Wolken- oder Nebel verhangen“. Und während ich der Bauerstochter vom Bauern rechts beim Ortseingang meine Wandergeschichte erzähle, öffnet sich der Himmel im schönsten Blau. Ich freue mich, denn mit so viel Sonne werden auch meine Schuhe und Socken bald wieder trocken sein.

Der Nebel lichtet sich über dem Weißpriachtal.

Taleinwärts und stetig bergaufschreitend gelange ich noch vor Mittag zur Grangleralm auf 1350 Meter Seehöhe. Vor der Alm ist Platz frei. Ich sitze nicht lange auf meinem halb schattigen, wie halb sonnigen Platz, als ein Pensionistenpaar mit den Worten: „Herr Abgeordneter, dürfen wir uns zu ihnen setzen“, um einen Sitzplatz an meinem Tisch anfragt. „Gerne“, sage ich und stelle klar: „Ein Sie gibt es hier heroben sowieso nicht und einen Abgeordneten schon erst gar nicht“. Alle lachen und wir kommen gleich freundlich ins Gespräch. Der Mann war früher Bezirksleiter der Berg- und Naturwacht und kennt natürlich den Flachgauer Bezirksleiter Walter Ochmann. Für die Berg- und Naturwacht war ich viele Jahre lang „ressortzuständig“ und die gemeinsamen Waldsäuberungsaktionen mit dem Bezirkschef  in Seekirchen waren immer ein großer Erfolg. Später gesellt sich noch der frühere Amtsleiter der Gemeinde Tamsweg mit seiner Frau zu uns. Auch er erkennt mich sofort und will von mir wissen, wie die Nationalratswahl im Oktober ausgehen wird. Da bin ich dann aber doch überfragt. Zu viele Faktoren sind derzeit für mich noch offen, um eine seriöse Einschätzung machen zu können. Während ich mein Bier austrinke und mich schön langsam verabschiede, bringt „Verena“, die hübsche Sennerin, Schweinsbraten um Schweinsbraten zu den Gästen. Die Spezialität der Alm, wie mir meine einheimischen neuen Freunde verraten.

Stimmiges Almbier!
Sennerin Verena als fleißige Schweinsbratenkellnerin.

Mit den besten Wünschen verabschiedet, mache ich mich auf zu meinem nächsten Ziel, dem „Oberhüttensee“ und seiner Alm auf 1850 Meter. Irgendwie hat wohl das „Frühschoppenbier“, das ich nicht gewöhnt bin, das Seinige getan. Jedenfalls übersehe ich die Abbiegung nach rechts und marschiere strebsam Meter um Meter nach oben, vermeintlich zum Oberhüttensee. Nach eineinhalb Stunden komme ich schweißgebadet zu einem See und einer Alm und bin vorerst überglücklich, die heutige Etappe geschafft zu haben. Doch wie es sich herausstellt ist es der „Wirpitschsee“ und die „Toni-Mörtel-Hütte“. Trotz der Tröstungsversuche durch die Sennerin und ihre beiden Töchter, steht mir die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Die drei wollen mich mit einer Portion „Kaiserschmarren“ wieder fröhlicher stimmen. Eine ganze Portion ist mir zu viel, aber kosten mag ich schon. Resümee: einfach himmlisch gekocht!

Ziel vermeintlich erreicht, aber es ist nicht der Oberhüttensee, sondern der Wirpitschsee auf 1700 Meter.

Es nützt nichts. Die vielen Kilometer und die 350 Höhenmeter waren umsonst. Eine steile Felswand versperrt den direkten Weg zu meinem Ziel. Ich muss die ganze Strecke wieder hinunter gehen und sorgsam nach der richtigen Abzweigung suchen. Ich finde sie und lese am Wegweiser „2,5 Stunden zur Oberhüttenseealm“. Es ist heiß, sehr heiß sogar, vielleicht ist mir durch meinen Orientierungsfehler aus Ärger innerlich noch heißer. Aber was hilfts? Ich muss heute noch auf die Alm, wo ich übernachten möchte. Und so setze ich den ersten Schritt, denn wie bekannt, auch der längste und mühsamste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, will man ans Ziel kommen.

Impressionen von meinem nun richtigen Weg zur Oberhüttensee-Alm, wo ich um 18 Uhr, doch ein wenig ausgepowert, eintreffe:

Am Weg zum See: romantische Wasserfälle.
Blick zurück ins Weißpriachtal.
Zweistündiger, steiler, felsiger Aufstieg zur Alm.
Heilfroh und zugegebenerweise etwas geschafft am Oberhüttensee. Der steile Berg im Hintergrund ist das Mereck.

 

 

 

 

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